Kreisrot Rundschreiben - Das Corporate-Design-Weblog

27.1.09
Logo-Trends 09

Die Kollegen von Logoorange haben sich einmal mehr die Mühe gemacht, derzeitige Trends im Logo-Design ausfindig zu machen. Wichtig ist das allemal, weil gerade Logo-Designer ein ausgesprochenes Gespür für Trends, gemischt mit einer gesunden Dosis Skepsis, brauchen. Trendy zu sein ist für Corporate Design eine gefährliche Route, allzu schnell landet man da entweder auf der Copycat-Schiene oder rennt einem Trend nach, der bereits ein Ablaufdatum hat. Die Werbung und teilweise auch das Produkt-Branding ist da anders gepolt: Beide müssen, um einen entsprechenden Impact zu generieren, möglichst einen Schritt voraus sein, die Trends kapern, kurz bevor oder kurz nachdem sie den Massen bekannt werden. Im Corporate Design galt zumindest lange Zeit das Dogma der Zeitlosigkeit: CD muss jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang halten. Das ist allerdings graue Theorie, denn wir alle sind ein Stück weit in unserer Zeit gefangen und produzieren ja Gebrauchsgrafik für die Jetztzeit. Letztlich ist es immer ein Spagat.

Das zeigt besonders der Trendbericht 2009. Da gibt es Dinge, die eindeutig vorbei sind, wie die so genannten «Web-2.0-Logos», farben- und verlaufsfrohe flickr-ebay-Google-Klone, denen in Österreich ja immer noch nachgerannt wird. Dennoch haben sie einen Einfluss gehabt: Im Logo-Design ist immer mehr erlaubt. Praktische, produktionstechnische Probleme werden in Kauf genommen für eine höhere Einzigartigkeit, für mehr Impact. Frei nach dem Motto: Hauptsache auffallen, auch auf Kosten z.B. der Lesbarkeit. Hat natürlich seine Berechtigung. Wie immer gibt es aber auch den Gegentrend, zurück zur klassischen Moderne mit ihren klaren Formen, ihren Icons, ihrem Minimalismus, ihrer Zweidimensionalität. Ein Schritt, den nicht zuletzt die Großen wie Coca-Cola, Pepsi und Mercedes im letzten Jahr vorgemacht haben.

Mit der wichtigste Trend fehlt für mich in der Auflistung der Kollegen: Der Trend weg vom Logo. Ein Logo, das immer gleich bleibt und einfach überall in die rechte obere Ecke geklebt wird, wird es immer weniger geben. Die innovativeren Corporate Designer schaffen heute (und auch gestern) flexible Konzepte, die in ihrer grafischen Wiedererkennbarkeit weniger vom Logo als Einzelelement abhängen, die das Logo zum Teil völlig dekonstruieren, um neue Formen der grafischen Identität zu schaffen, wie das Beispiel von Saks Fifth Avenue zeigt. Dahin geht es für mich: Identity Design statt Logoentwicklung.

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17.9.08
Wahlplakate 2

Die zwei (noch) großen Parteien haben wir uns ja schon angeschaut, jetzt sind die (noch) kleinen dran. Beginnen wir mit den Grünen.

Alexander Van der Bellens bekannter Aversion gegen Fotografen kommt man hier mit dem Zoom bei. Wenigstens werden so die gekünstelten Posen und vielsagenden Handhaltungen verhindert (siehe Jörg Haider). Das Foto wirkt persönlich, direkt, vertrauenserweckend, vielleicht etwas zu knuddelig für einen Oppositionspolitiker. Gut, damit soll es ja dann nach der Wahl vorbei sein, wenn es nach den Grünen geht. Der schwarze Hintergrund hebt sich wohltuend von der restlichen Wahlwerbung ab, das Logo der Grünen ist klein und diskret, dafür im eigenen weißen Kastl. Typografisch bedient man sich der guten, alten Futura Bold (Wink mit dem Zaunpfahl?). Die grüne Blase mit den verzerrten Buchstaben «vdb 08» schaut verdächtig nach Anhängsel aus. Da hat sich wohl jemand gedacht, dass man doch irgendwie eine Art Logo und was total Modernes haben sollte für den Alex. Wäre nicht nötig gewesen.

Das Liberale Forum startet als Überraschungskandidat in diese Wahl – dafür mit der einzigen Spitzenkandidatin. Auch Grau/Gelb/Blau ist keine übliche Farbkombination für Wahlpropaganda, insofern schon einmal interessant. Die Sache mit den Farbbalken hinter der Schrift ist ein alter Schmäh (nicht nur) von Meta Design. Seit der ORF seine Texteinblendungen weiß hinterlegt, machen das auch hierzulande wieder alle. Schmidt schaut träumerisch in die Hoffnungsecke rechts oben, kein Wunder, bei der Botschaft! Naja, man wird ja wohl noch hoffen dürfen, dass Macht vielleicht mal nicht korrumpiert. Insgesamt wirkt das Plakat etwas farblos und nichtssagend. Gar nicht so unpassend für die Partei!

Ja, jetzt wird's schon fetziger! Allein Straches Grinser ist mehr «in your face» als alle anderen Wahlplakate zusammen. Das Plakat ist reinster Boulevardstil: knallig, bunt und vollgeräumt. Dazu passen die schräggestellten Botschaften, die schmale, fette Serifenlose und der Reim von Wolf Martins Gnaden. Rot-Blau-Weiß ist bei der FPÖ schon gelernt, die Adler-Illustration ein perfekter Ausdruck des Nationalismus-Chique der jüngsten Wählergeneration. Es ist nur konsequent, dass Strache einen alten Haider-Spruch als Slogan klaut. Dass man dabei die zu betonenden Wörter in Versalien schreiben muss, legt allerdings Rückschlüsse auf die Lesekompetenz der Zielgruppe nahe… Aber ganz ehrlich: Ich würde mir wünschen, dass auch Parteien mit einem halbwegs annehmbaren Programm so viel von Branding verstehen würden wie die F.

Also nun zum «Original» Jörg Haider. Ein Plakat, dass extrem viel über sein politisches Projekt aussagt. Erstens mal: Klotzen statt kleckern, wir plakatieren im 24-Bogen-Format. Das BZÖ-Logo hat man in der rechten unteren Ecke versteckt, dort, wo im zugeparkten Wien eh die Autos davorstehen. Der freigestellte Haider wurde so offensichtlich vor das Kornfeld montiert, dass man schließen muss: Ich packe an, aber mein Büro verlasse ich dafür sicher nicht. Die Botschaft hat das «Original» von der Bawag geklaut. Und dabei vergessen, dass Ärmel aufkrempeln auch heißen kann: Gleich haue ich dir eine rein! Deinetwegen. Österreich. Aber hey, ich schätze das korrekte Deutsch. Strache hätte "Wegen dir" plakatiert.

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15.9.08
Worliczek ITSM

Wir haben hier zwar nicht sooo fleißig gebloggt, waren aber ansonsten ganz produktiv. Zum Beispiel haben wir wieder ein Corporate-Design-Paket fertiggestellt. Der Auftraggeber: Wolfgang Worliczek, erfahrener Berater im Bereich IT-Service-Management. Er ist also kurz gesagt der Mann, der den berüchtigten EDV-Servicecenter-Leuten beibringt, was Kundenfreundlichkeit eigentlich heißt, und welche Prozesse dazu führen könnten. Unser Auftrag: eine einfache, geradlinige Visualisierung des Unternehmenscharakters, passend zum Motto «Keep it simple».

Im Entwicklungsprozess kam es zu einem seltenen Fall: Die drei präsentierten Logos wurden für einmal beiseite gelegt, dafür kam ein Entwurf zum Zug, den wir ursprünglich aussortiert hatten. Wir können halt doch nicht ganz in den Auftraggeber hineinsehen. Und offenbar hat auch das, was wir (vorläufig) verwerfen, Qualität. :-)

Heraus kam ein Logo, ein Visitenkartendesign, Geschäftspapiere (die als Word-Vorlagen umgesetzt wurden) und das Basisdesign für die Website. Alles relativ streng im Rasterlayout, dafür mit satten Primärfarben.

Wir wünschen dem neuem Unternehmen Worliczek ITSM-Management jedenfalls einen guten Start und viel Erfolg bei der Begrünung der Einöde namens IT-Service!

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28.7.08
Könnten wir nicht...?

Hatte ich nicht letztens die Parkinsonschen Gesetze erwähnt? Hier das Video dazu!

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13.5.08
Styria: Neues Logo

Noch eine Meldung von der Redesign-Front: Die Mediengruppe «styria.MULTI MEDIA» hat sich nach einer weiteren Fusion (Sportmagazinverlag) ein neues Logo gegönnt. Zur Gruppe gehören Printmagazine wie Wienerin, Wiener, Diva, Skip oder Business People. Die Styria produziert auch viele Kundenmagazine, «active beauty» für DM ist das prominenteste Beispiel.

Das Redesign war sicher angebracht, war das alte Logo doch viel zu kleinteilig und vielfarbig. Der Firmenname war jedenfalls kaum je groß genug, als dass er gelesen hätte werden können. Im neuen Design steht der Name im Vordergrund, dazu kommt eine rote geschwungene Klammer, die für einen Medienkonzern ziemlich auf der Hand liegt. Aber insgesamt eine saubere Sache. Trotzdem eine offene Frage in die Runde: Muss man Firmennamen komisch schreiben, um modern zu sein? Sind Kleinbuchstaben cooler? Und was soll das Leerzeichen zwischen MULTI und MEDIA? Es ging wohl darum, dass es sich eben nicht um einen Multimedia-Verlag handelt, sondern um einen klassischen Verlag mit vielen Medien. Aber wenn dem so ist, dürfte wohl der Name nicht so passend sein. Schließlich werden Leerzeichen nicht ausgesprochen.

Quelle: Horizont

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Mixed Pasta

Ich bin zwar nicht so fleißig am bloggen, sonst aber schon. Wir dürfen wieder ein (fast) fertiges Projekt präsentieren: «Mixed Pasta». Die Website ist noch nicht online, dafür das Geschäft eröffnet. Mixed Pasta bietet Nudeln im Becher zum Mitnehmen und vor Ort essen. Vor Ort, das ist die Währingerstraße 49 (Ecke Nussdorferstraße) in Wien. Ich habe am Donnerstag ein paar Fotos geschossen und test-gegessen; ich empfehle die feine Carbonara. Das Saucenrezept kommt übrigens direkt von der Mutter des Chefs!

Mixed Pasta hat das Potenzial für Systemgastronomie, folgt aber einem neuen Konzept: Wir mussten deshalb im Design sicherstellen, dass das ganze problemlos auf neue Filialen übertragbar ist und das Grundprinzip sofort verstanden wird. Konkret: Du musst dich für eine Sorte Nudeln, eine Sorte Sauce und eine Bechergröße entscheiden. Wenn das Design funktioniert, muss der Mensch an der Theke das vielleicht ein paar mal weniger erklären.

Wer in Wien ist, bitte mal vorbeischauen und testessen. Es lohnt sich!

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28.4.08
Eiserne Gesetze

Mein Freund Ilja, seines Zeichens Universalgelehrter, machte mich mit den Parkinsonschen Gesetzen vertraut. Der Mann hat nichts mit der Krankheit zu tun, sondern war Soziologe – allerdings einer mit Sinn für Humor. Er formulierte in den 40er- und 50er-Jahren zwei so genannte Gesetze, die in Wirklichkeit natürlich eher feinsinnige Beobachtungen sind.

1. Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht in dem Maß, wie komplex sie tatsächlich ist.

2. In Diskussionen werden die Themen am ausführlichsten diskutiert, von denen die meisten Teilnehmer eine Ahnung haben – und nicht die Themen, die am wichtigsten sind.

Das Beispiel zum zweiten Satz ist auch berühmt: Beim Planen eines Atomkraftwerks werden sich Manager und Politiker relativ schnell über die Konstrution des Reaktors einigen, weil sowieso keiner eine Ahnung hat, wie dieser funktioniert. Sie können aber stundenlang debatieren, welche Farbe der Fahrradschuppen für die Mitarbeiter haben soll. Da hat jeder etwas zu sagen.

In unsere Branche übersetzt kommt mir das sehr, sehr bekannt vor. Wenn es um komplexe drucktechnische Abläufe und unter Umständen hohes finanzielles Risiko geht, ist die Sache schnell durch. Wir können aber stundenlang darüber diskutieren, ob ein Name auf der Visitenkarte einen Millimeter weiter links oder rechts stehen soll.

Man kann die Regel sogar auf Projektvolumen herunterbrechen. Je kleiner das Projekt, desto größer das Palaver. Geschäftsberichte werden mit lockerem Handschlag abgesegnet, über einem Flyer wird stundenlang gebrütet.

Ich würde das Gesetz allerdings folgendermaßen abändern: «... werden jene Themen am ausführlichsten diskutiert, von denen die meisten Teilnehmer GLAUBEN eine Ahnung zu haben». Gerade beim Thema Corporate Design kennt sich ja jeder irgendwie ein bisschen aus und muss dementsprechendes Gewicht in die Diskussion werfen. Erstaunlich ist auch der Umkehrschluss: Je mehr Ahnung die Auftraggeber tatsächlich von der Materie haben, desto mehr vertrauen sie unseren Vorschlägen. Letztlich haben diese anderen, allzu kleinteiligen Diskussionen wohl am ehesten mit Unsicherheit zu tun. Wir versuchen das abzufedern, indem wir von Anfang an so viel Information, Hintergrund und Wissen weitergeben. Das muss man aber auch nehmen wollen.

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13.3.08
UPC: Neues Logo
upc_logo_redesign

Seit kurzem steht bei mir zuhause ein digitaler Videorekorder von UPC Telekabel, einem hiesigen Anbieter für (digitales) Kabelfernsehen, Internet und Telefon. Ich dürfte nicht der einzige sein, denn aus dem UPC-Shop gleich bei meinem Hauseingang stehen die Leute täglich Schlange und gehen glücklich mit einer roten Kiste heim. Sicher das richtige Produkt zur richtigen Zeit, weil die VHS-Rekorder langsam aus den Wohnzimmern fliegen oder kaputt gehen, wie meiner nach über zehn Jahren, Festplattenrekorder aber immer noch eher umständlich zu bedienen und hochpreisig sind. Da kommt eine günstige Mietlösung mit guter Content-Software-Hardware-Integration gerade recht.

Das ist aber nicht das eigentliche Thema. Wer die Box genau anschaut, wird da statt dem gewohnten UPC-Schriftzug (abgerundeten serifenlose Versalien mit transparenten Überlagerungen) etwas Neues entdecken. Es sieht ein bisschen aus wie eine Artischocke, könnte aber auch, besonders in der einfärbigen Variante, ein zur Saison passendes Osternestchen sein.

Wer zur niederländischen Mutter von Telekabel schaut, wird des Rätsels Lösung finden: Der UPC-Konzern hat ein neues Logo, das offenbar noch nicht ganz den Weg nach Österreich gefunden hat. Erst heimlich, auf einigen Produkten, ist das neue Markenzeichen zu finden.

Was die Motivation für das Redesign war, ist schwer nachzuvollziehen. Das restliche Designkonzept dürfte sich, zumindest wenn man von der Website ausgeht, nicht stark verändert haben, bis auf die orangen Hintergrundflächen, die durch kleine Tropfen bzw. Blätter ersetzt wurden. Es schaut nach einem klassischen Fall von «Modernisierung» aus, nach dem offensichtlichen Vorbild von BP, aber längst nicht so durchdacht. Zumindest in Österreich ist UPC ein Unternehmen mit sehr vielen unabhängigen Partnern, kleinen Anmeldeshops und Außendienstlern mit einem dicken Packen von Formularen. Schon das jetzige Logo mit seinen diffizilen Farben und Transparenzen wird von bzw. auf diesen oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Was wird erst mit dieser Ansammlung von Verläufen und Schatten passieren? Man sieht es schon gut auf dem DVR: Eierkorb statt Artischocke. UPC goes Web 2.0, hängt sich also einem Trend an, der schon jetzt einen Bart hat. Und dann noch diese seit den Zwanzigerjahren verbreitete Masche, Buchstaben zu modernisieren, indem man sie klein schreibt – siehe auch hier BP bzw. bp.

Kurz: Das neue UPC-Logo ist nicht modern oder zeitgeistig, es ist einfach nur «me too». Corporate Design wäre ja eigentlich dazu da, sich zu differenzieren, ein klares Statement abzugeben. Es wäre auch dazu da, mutig Zeichen zu schaffen, welche den Zahn der Zeit aushalten. Na gut, vielleicht schafft es Österreich ja noch ein paar Jahre, die holländische Artischocke zu umschiffen.

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5.3.08
enzovelo eröffnet
enzovelo

Es gibt sie, diese Herzensprojekte. Zum Glück immer wieder. Das Fahrradgeschäft enzovelo ist ein solches. Einerseits weil uns das Thema nahe liegt. Aber vor allem deshalb, weil Heinz «Enzo» Wipplinger eben Herz, Leib und Seele in sein Unternehmen wirft, und wir uns nur noch von der Begeisterung anstecken lassen müssen. Gleichzeitig ist er einer jener Auftraggeber, die uns ihr Baby vertrauensvoll in die Hände geben und die es sehr schätzen, wenn wir unsere Erfahrung einbringen, beraten und kritisch sind. So war es auch möglich, dass wir innerhalb kürzester Zeit ein komplettes Corporate-Design-Paket (minus Website, die nicht von uns kommt) geschnürt haben, das hoffentlich dabei mithilft, dem neuen Geschäft einen guten Start zu bescheren.

Wer Lust hat, kann sich morgen davon selbst überzeugen: enzovelo schmeißt eine kleine Eröffnungsfeier. Zu erleben gibt es Fahrräder jenseits von Mountainbike oder Rennrad, ebenso extravagant wie alltagstauglich: Liegeräder, Elektrobikes (Pedelecs) oder auch handgeschweißte Designvelos aus Deutschland. Ich kann selbst leider nicht dort sein, aber Helmut wird die kreisrote Stellung halten.

velos

enzovelo

Ort: 1090 Wien, Spittelauer Lände 11

Zeit: 6. März, ab 19:00 Uhr

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6.12.07
Free Magenta

Ich verkünde regelmäßig in meinen Corporate-Design-Seminaren, dass ich sehr für mutige Farbentscheidungen bin. Wir brauchen nicht unbedingt und in jedem Fall ein dunkelblaues Logo. In diesem Zusammenhang zitiere ich gerne den Fall der Deutschen Telekom, die auf Vorschlag von Interbrand eine Farbe gewählt hat, die damals eher in den Drogeriegroßhandel gepasst hätte und den meisten Leuten eher hässlich erscheint: Magenta. Dank dem fetten Marketingeuro des Konzerns hat sich das geändert. Mittlerweile hat die Telekom sich sogar gewisse Markenrechte für diese Farbe erstritten – siehe diesen Artikel.

Und wo wir gerade beim Streiten sind: Dieser Fall einer farbbedingten Klage des Konzerns dürfte nicht der einzige sein.

Magenta ist eine der Grundfarben des Vierfarbdrucks und insofern seit seiner Erfindung in irgend einer Art und Weise präsent. Sie steckt in jeden Bürodrucker und wurde schon immer auch im Marketing für diverse Unternehmen und Marken eingesetzt. Eine Registrierung als Farbmarke, die an sich schon Seltenheitswert hat, scheint mir eine sehr heikle Angelegenheit zu sein. Es gibt einen Punkt, an dem die vertretbaren Interessen eines Markenartiklers enden. Nämlich jenen, wo das öffentliche Interesse beginnt.

Siehe auch: Free Magenta, Reclaim Magenta.

Bild: Jen_Mo@flickr

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27.11.07
adVantagePoint

Wie schon erwähnt, das Jahresende scheint auch die Zeit für abgeschlossene Projekte zu sein. Das gilt auch für «adVantagePoint», ein junges Unternehmen, das viel Arbeit in die Entwicklung eines neuartigen Coaching-Konzeptes gesteckt hat. Ein Kernthema ist, den einen Punkt zu finden, bei dem man ansetzen muss, damit sich Dinge leichter entwickeln. Beim Punkt sind wir dann auch im Logo gelandet, wenn auch eher in Form eines Play-Buttons. Das passte wieder thematisch, schließlich soll mit dem Coaching ja etwas ablaufen, etwas losgetreten werden. Das Logo schaut für uns sehr nach Klassischer Moderne und, vor allem durch die Schrift Folio Bold Condensed, nach dem großen Autorenkino dieser Zeit aus. Das Thema Kino war somit auf dem Tisch, was eine ganze metaphorische Welt nach sich zog, so nach dem Motto «Spiele die Hauptrolle in deinem eigenen Film». Das ist der Website anzusehen.

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13.11.07
Patentanwälte

November ist bei uns scheinbar die richtige Zeit, um Projekte abzuschließen. Jedenfalls geht es uns gleich bei mehreren so. Deshalb an dieser Stelle wieder mal einen kurzen Blick auf das, was wir so anstellen.

Unser Auftraggeber ist eine Patentanwaltskanzlei in Wien, die seit vielen Jahren durchaus gut ohne professionell gestaltetes Corporate Design ausgekommen war. Ganz befriedigend war die Sache nicht, vor allem auch deshalb, weil in einer Kanzlei wie dieser tonnenweise Schriftstücke anfallen. Wichtig war Corporate Design also, aber halt nicht so dringend. Mit dem Eintreten eines neuen Partners und der Notwendigkeit einer Website war nun die Gelegenheit gekommen und wir konnten uns gegen zwei Mitbewerber im Vorgespräch durchsetzen.

Wie üblich holten wir uns die essentiellen Hintergrundinformationen über die Abläufe im Büro, die Partner, Kunden und Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens im Rahmen eines Corporate-Identity-Workshops mit den drei Partnern. Ich freute mich besonders über dieses Feedback: «So strukturiert hatte ich das nicht erwartet.»

Bei der Ideenfindung kristallisierten sich schnell zwei Themen heraus: Industrielle Technik und der Erfinder als Ursprung von Patenten. Somit landeten wir schnell bei Nikola Tesla, dessen Patente Bände füllen, dem Prototypen des Einzelerfinders schlechthin. Dessen Teslaspule stand Pate für das Logoicon, für dass sich unsere Auftraggeber letztlich entschieden haben. Wir blieben bewusst bei Schwarz-Weiß, um dann auf den Druckwerken und im Web Farbflächen einsetzen zu können, auf denen das Logo negativ eingesetzt wird. Wir wollten zunächst bunter werden, sind dann in Abstimmung mit dem Auftraggeber doch bei einem satten Blau gelandet. Typografisch haben wir uns für die Meta Korrespondenz entschieden, deren organische Formen und Leichtigkeit einen schönen Gegenpol zum klobig-technoiden Icon bildet.

Insgesamt ein angenehm unaufgeregtes Projekt, in dem sinnvolle und praktikable Werkzeuge für die Patentanwaltskanzlei entstanden sind. Wir sind gespannt, wie das Design im Umfeld des Unternehmens ankommt. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn alles als selbstverständlich und gegeben hingenommen würde, als wäre es schon immer so gewesen. Gar kein schlechtes Kompliment für Corporate Design.

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30.10.07
Corporate Design

Wer hat sich nochmal über die Qualität kostenlos zur Verfügung gestellter Publikationen im Internet beschwert? Das kann man getrost lassen, denn es gibt Profis, Studenten und Professoren, die an das Prinzip des geteilten Wissens glauben.

Absolut zu empfehlen ist die Corporate-Design-Reihe der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Die ersten zwei Teile behandeln Form und Farbe bei der Logogestaltung. Gute und vor allem systematische, wissenschaftliche Literatur zum Thema Corporate Design ist rar, gerade deshalb ist die Reihe doppelt willkommen. Die Autorinnen und Autoren versuchen sich darin, Logo-Farben und -Formen zu systematisieren und ihre Wirkung, soweit möglich, einzugrenzen. Dabei vergessen sie aber nie, dass zum Beispiel Farbwirkung nichts ist, was man locker im Lexikon nachschlagen kann. Es geht auch nicht darum, Kochrezepte für das perfekte Logo zu schreiben. Statt dessen wird das Thema sowohl empirisch als auch qualitativ analysiert, was gerade für Logodesigner (und bitte auch für Auftraggeber!) ausgesprochen inspirierend ist.

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17.10.07
Spiekermann in Wien

Ein dringlicher Veranstaltungstipp für heute: Kein geringerer als Erik Spiekermann spricht heute abend um 19 Uhr im MQ Designforum zum Thema «Typomanie ist unheilbar, aber nicht tödlich.» Jede/r, der/die kann, sollte da hin, auch wenn es 8 Euro kostet. Warum?

1. Der Mann ist eine lebende Designlegende.
Man könnte manchmal wirklich glauben, dass Spiekermann in allem, was in deutschsprachigen Landen (und nicht nur dort) designmäßig passiert ist, die Finger drin hatte. Er hat unter anderem MetaDesign und Fontshop mitbegründet, werkelte u.a. am Corporate Design von Volkswagen und Audi, gestaltete weiters mit ITC Officina und FF Meta zwei Klassiker der modernen Typografie. Der Mann ist, nota bene, erst 60 Jahre alt.

2. Der Mann kann schreiben
Einen Vortrag habe ich noch nie erleben dürfen, aber alleine Spiekermanns Bücher sprechen dafür, dass er nicht nur ein gestalterisches, sondern auch ein rhetorisches Talent ist. Für mich ist er eine Art typografischer Alleinunterhalter der mit seinem Witz und seiner Begeisterung auch den letzten Comic-Sans-Benutzer von der mikrotypografischen Ästhetik einer Renaissance-Antiqua-Serife überzeugen kann.

3. Der Mann ist Typomane
Wer schon angesteckt ist, muss bei einer öffentlichen Zelebrierung dieser Krankheit definitiv mit dabei sein.

Aber wehe, ihr schnappt mir den letzten Platz weg!

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1.10.07
Bawag: Neues Logo

Heute hat die BAWAG die Katze also aus dem Sack gelassen: Neue Bawag, neues Logo, neues Design, neue Werbung. Inhaltlich wird es die gute, alte Konzentration auf die Kernkompetenzen. Optisch hat sich einiges getan, auch wenn die Änderungen subtiler sind, als man hätte erwarten können.

Das alte Logo hatte doch etwas Häuslbauer-Mief angesammelt, hatte aber eine klare und unverwechselbare Form. Das Redesign (ich nehme an durch die neue Agentur Dirnberger De Felice) nimmt die bekannten Dreiecke auf und bastelt daraus tangrammäßig ein Segel oder eine Flamme, die über dem diskreteren Schriftzug züngelt. Nichts, was einen auf den ersten Blick aus den Socken wirft. Das sollte ein gutes Bankenlogo aber auch nicht. Für mich hat das Redesign den neuen Geist der Bawag (so er denn real ist) gut getroffen und eine gute Mischung zwischen alt und neu gefunden. Solide, praktikabel, wirksam. Es wird sicher Häme geben, weil es eine einfache Lösung ist, aber die Menschen lernen schnell. Mit gelben Dreiecken lässt sich dann übrigens endlich auch die PSK vernünftig ins Bawag-Logo integrieren. Weniger wirksam ist das Logo in der Quer-Version, weil dort das nach oben Strebende des Designs verloren geht.

Optisch sehr überzeugend finde ich den neuen Netzauftritt der Bawag. Der rote Rahmen ist gewichen, es dominiert der weiße Hintergrund und Fotos mit versetzten rot-transparenten Balken für die Botschaften. Auch hier hat man wohl nach all den Skandalen Leichtigkeit und Durchsichtigkeit gesucht. Das ist durchaus gelungen und wird wohl auch im Printbereich gut aussehen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Wechsel mitten im Bawag-Prozess auch glaubwürdig wirkt. Und dass er genügend Abstand schafft zu dem, was war.

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28.9.07
Neue Banken-Logos

Kaum entschließt man sich mal, eine Woche auf Urlaub zu gehen, entschließen sich gleich zwei große österreichische Banken zum Rebranding. Die Ba-Ca hat sich entschlossen, künftig wieder nur noch Bank Austria zu heißen. Damit ist der Markenname Creditanstalt entgültig totfusioniert. Gleichzeitig lässt man die gut etablierte BA-Welle fallen, um statt dessen den gehakten Ball der italienischen Mutter UniCredit zu übernehmen.

Das ganze klingt für mich schwer nach Kompromiss. Die UniCredit-Gruppe ist dabei, ihre Töchter umzugestalten. Es ist den Österreichern wohl gelungen, zumindest den Namen «Bank Austria» zu retten, die Welle lag dann wohl nicht mehr drin. Glücklicherweise hatten beide von Haus aus die Farbe Rot. Aktuell wird das ganze erst im März 2008

Anders hat es die Bawag gemacht. Nach dem Skandal, der Beinahe-Pleite und dem Verkauf der Gewerkschaftsbank an einen internationalen Fonds musste ja wohl was passieren. Im September hat die Agentur Dirnberger De Felice den Bawag-Etat gewonnen. Heute abend wurden nun klammheimlich in den meisten Filialen die alten Plakate und Logos abgehängt. Auf der Website der Bawag ist darüber nichts zu finden, auch keine Pressemeldung. Das neue Logo gibt es derzeit noch nicht im Netz. Eine Revolution ist es aber nicht: Man hat mehr oder weniger das alte Icon umgedreht, die Proportionen und die Typo etwas verändert. Aber mehr darüber, wenn das Logo verfügbar ist.

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13.9.07
Crowdsourcing

Ach ja, die Modewörter des Web 2.0. «Crowdsourcing» ist eines davon. Früher nannte man das «Ideenwettbewerb». Doch dank Globalisierung, Elektronisierung und Internet nimmt das Ganze andere Dimensionen an. Ein bisschen so wie Kassettentauschen vs. Peer-to-Peer-Download.

Gleich zwei große deutsche Sites haben kürzlich Crowdsourcing-Wettbewerbe gestartet, weil sie auf der Suche nach einem neuen Logo waren. Die Social-Bookmark-Site Mr. Wong und das Blog Spreeblick. Die Dimensionen sind etwas unterschiedlich (400 Euro bei Spreeblick, insgesamt 12.000 Dollar für Mr. Wong), die Resultate ähnlich.

Spreeblick hat mitgeteilt, dass man sich trotz 50 plus Entwürfe nicht entscheiden konnte. Bei Mr. Wong ist die Entscheidung noch nicht gefallen, 127 Entwürfe von sagen wir mal unterschiedlicher Qualität werden die Sache nicht leicht machen. Schon jetzt kann man sagen, dass diese beiden Crowdsourcing-Experimente gescheitert sind.

Gründe dafür gibt es viele. Zum einen waren, wie fast immer, die Briefings nicht gerade vielsagend. Bei Mr. Wong lief es auf «wir brauchen ein neues Logo» hinaus. Wo und wie wird das Logo eingesetzt? Wer ist die Zielgruppe? Was will man aussagen? In welche ästethische Richtung soll es gehen? All das muss man sich selber denken. Bei Spreeblick gab's immerhin klarere Vorgaben, dafür kaum Budget. Die Möglichkeit, rückzufragen und jene Leute kennenzulernen, die nachher mit dem Logo arbeiten, gibt es natürlich nicht.

Die schiere Masse der Entwürfe ist das zweite Problem. Es wäre ja interessant, wirklich 100 Ideen für ein Logo zu haben, denn Kreativität heißt, viele Ideen zu sammeln und die besten herauszufiltern. Es hat sich nun aber niemand hingesetzt und selbst 100 Ideen gefunden. Im Gegenteil: Da die Chance zu gewinnen so gering ist, haben sich die meisten wohl nicht mehr als ein, zwei Stunden Zeit genommen, um ihren Eintrag fertigzustellen. Das Resultat: Wir haben eigentlich nur 100 erste Ideen und nie die 100. Idee. Aber genau die wäre wohl die beste gewesen. Es kommt noch dazu, dass viele Teilnehmer offensichtlich auch ihr erstes Logo gestaltet haben und jene Fehler begangen haben, die man nach dem 50. Projekt nicht mehr macht.

Es läuft also auf die Frage hinaus, ob ich lieber 200 Liebhaber oder einen Profi für mein Projekt arbeiten lasse. Ein finanzielles Risiko ist es allemal, egal, welchen Weg ich gehe. Denn auch ein Profi-CD-Projekt kann schief gehen, wenn Kunde und Grafikbüro einander nicht vor dem ersten Entwurf genau verstehen. Es gehört eben auch zum Job eines Profis, genau dafür zu sorgen.

Ideenwettbewerbe können enorm inspirieren, vor allem, wenn es nur um Ideen geht. Sobald auch eine Umsetzung, die technisches Wissen erfordert, gefragt ist, würde ich eher die Finger von «Crowdsourcing» lassen. Jeder Mensch ist kreativ, das stimmt und das gilt es zu nutzen. Aber nicht jeder Mensch ist ein Experte für jede Materie. Ich denke: Gerade in unserer Informationsgesellschaft gilt es, viel zu wissen und zu sehen, aber nur das zu tun, was man wirklich am besten kann.

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5.9.07
Google-Logo

In unserer Zeit der Multi- und Crossmedialität wird immer klarer, dass auch das Logo beweglicher wird. Es muss nicht mehr immer das unveränderliche Zeichen sein, das rechts oben auf dem Briefpapier klebt. Es darf leben, spielen, spinnen. Bekannt ist das Beispiel der Expo 2000 in Hannover oder als österreichisches Gegenstück jenes von Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas, das ich immer wieder gerne in meinen Corporate-Design-Kursen herzeige.

Am bekanntest sind aber wohl die Variationen des Google-Logos zu Feiertagen, historischen Ereignissen und Geburtstagen großer Menschen. Hinter den einfallsreichen Intepretationen des Logos steckt Dennis Hwang, seines Zeichens eigentlich International Webmaster bei Google. Was soll man sagen, Google zieht einfach kreative Köpfe an, siehe diesen Artikel in Brand Eins. Hier ist eine Übersicht über alle Logovarianten aus der Feder Hwangs.

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27.8.07
Logo-Trends

Alle Jahre wieder kommt der Trendreport der Kollegen von Logolounge.com. Aus Tausenden gesammelten Logos des Jahres werden Trends heraus destilliert, die im vergangenen Jahr bestimmend waren. Denn auch das Logo-Design, so gerne wir zeitlos wären, ist durch Moden bestimmt. Die Kunst ist, zwischen einem Trend mit baldigem Ablaufdatum und relevanten kulturellen Strömungen zu unterscheiden. Hängt man dem ersten nach, wird der Kunde schon in wenigen Jahren ein Logo mit langem Bart haben. Gut fürs Geschäft, wenn man der Redesigner ist.

Insbesondere dann, wenn wir die Trendreports der letzten Jahre anschauen, werden einige Dinge klar. Erstens: Die alten Regeln gelten kaum mehr. Logos dürfen heute in CMYK gedruckt werden und mit allen Photoshop-Tricks spielen. Jene Technologien, die das bisher verboten haben, gehen langsam den Bach runter. Stempeln, Faxen, klassischer Siebdruck, all das wird durch elektronische Kommunikation in RGB und digitale Print-on-Demand-Technologien langsam aber sicher ersetzt.

Klar wird aber auch, dass es für jeden Trend auch einen Gegentrend gibt. Wenn also seit drei, vier Jahren die Logos immer dreidimensionaler, aufgeblasener und verschwommener werden, ist plötzlich wieder sehr viel Platz für klassische, klare, einfache Designs. Ich denke, wir sind schon jetzt in der Situation, dass klassische Logos mit einer guten Idee im Hintergrund mehr auffallen, als die tausendste Photoshop-Spiegel-Schatten-3D-Web-2.0-Geschichte. The more things change, the more they stay the same.

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21.8.07
Denken, zeichnen, machen

Okay, das Web ist voll von Millionen Seiten und fast ebenso vielen Blogs. Aber dass ich dasjenige des britischen CD- und Brandbüros Johnson Banks bis heute nicht im FeedReader hatte, ist schon erstaunlich. Fontblog half.

Besonders mag ich einen Beitrag von Michael Johnson über seine Arbeit mit Skizzenbüchern. Es ist einerseits spannend zu sehen, dass die besten Designer der Welt es nach wie vor schätzen, ihre Gedanken und Ideen auf Papier festzuhalten, bevor sie sich für erste Umsetzungsversuche an den Rechner setzen. Es hilft einfach dabei, den Kopf frei zu halten und sich nicht durch die Möglichkeiten einer bestimmten Software auf gewisse, meist gut ausgetretene Wege leiten zu lassen. Software ermöglicht viel, schränkt aber auch ein. Immer dann, wenn man das Werkzeug bestimmen lässt, wie die Arbeit aussieht. Andererseits ist es erstaunlich, wie nah gewisse schnelle Skizzen dem Endresultat sind, welchen Weg die Idee aber auch gelegentlich zurücklegt. Was beim aktuellen Eintrag des Blogs besonders gut herauskommt. Er zeigt das Finetuning eines Logos in 17 Stufen; wobei schon die erste Stufe ziemlich gut ausschaut.

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13.8.07
Sommerloch

Das Sommerloch ist auch nicht mehr, was es einmal war. Früher musste ich meine Wahlheimat Österreich einfach dafür hasslieben, dass über die Monate Juli und August nichts, und zwar genau nichts los war. Pünktlich zum Beginn der Schulferien hörte das Telefon auf zu klingeln, E-Mails kamen nur noch im Tagesrhythmus, Kunden hoben ihr Handy nie ab. Die Druckereien waren auf Betriebsurlaub, Rechnungen wurden selbstverständlich auch keine bezahlt. Kurz: Du konntest deine Bude auch zusperren, weil eh nichts los war. Gut für die Entspannung, schlecht fürs Bankkonto

Im September wurde dafür alles nachgeholt, da die Unternehmerinnen und Unternehmer mit frischer Motivation aus der Sommerfrische zurück kamen und dann gleich gestern Resultate auf dem Tisch haben wollten.

Dieses Jahr ist plötzlich alles anders. Den Juli haben wir derart durchgehackelt, dass von Sommer nicht die Rede sein konnte. Anfragen trudelten mit schöner Regelmäßigkeit herein. Wir hatten Druckjobs, Kundentermine, Logopräsentationen, sogar einen Pitch. Erst Anfang August ließ das ganze etwas nach, und jetzt können wir ein bisschen durchatmen. Nicht so gut für die Entspannung, gut fürs Bankkonto.

Warum dieser Wandel? Vielleicht war ganz Österreich auf einem Zeitmanagement-Seminar und hat sich überlegt, dass man den Sommer eigentlich auch nützen könnte, um ein Projekt mal gemütlich und rechtzeitig anzugehen, um dann im Herbst weniger Stress zu haben. Vielleicht sind NOCH mehr Schweizer als jetzt schon nach Wien gezogen. Vielleicht spüren wir auch einfach die Auswirkungen der steigenden Konjunktur, die es Unternehmen erlaubt, wichtige, aber vermeintlich nie dringende Dinge wie Corporate Design anzugehen.

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26.6.07
Corporate Design Manuals

Wir sind gerade dabei, die erste Phase eines sehr spannenden, sehr lehrreichen Projekts abzuschließen. Lehrreich deshalb, weil wir einmal die Position am anderen Ende des Corporate Design Manuals einnehmen. Normalerweise erstellen wir ja diese praktischen Handbücher für Kunden, die sich Leitlinien für ihren einheitlichen Auftritt nach außen wünschen. Jetzt haben wir von unserem neuen Kunden ein Manual erhalten, das konzernweit eingesetzt wird. Die Aufgabe war dementsprechend auch weniger, komplett neue Materialien zu kreieren, als in kürzester Zeit die Österreichtochter des Konzerns mit angepassten Druckwerken zu versorgen.

Das Schöne an der Sache ist, dass sich bei dieser Arbeit für mich alles bestätigt hat, was ich immer predige: CD-Manuals sind absolut hilfreiche Werkzeuge, die es ermöglichen, solche Projekte effizient durchzuziehen. Wenn einmal Logo, Bildkonzept und Look & Feel des Layouts bestimmt sind, ist es ein Leichtes, nach diesen Vorgaben neues Material zu schaffen, das noch dazu perfekt ins öffentliche Bild passt.

Wichtig dabei ist nur, dass das Manual nicht mit Millimetern herumpitzelt, sondern einen flexiblen Spielraum definiert, innerhalb dessen man werken kann. Wenn alles bis auf die letzte Ecke festgelegt ist, führt sich das Manual ad absurdum. Dann wäre es sinnvoller, fixe Layout-Vorlagen rauszuschicken, in denen man nur noch den Text austauscht.

Wie gesagt, das Arbeiten mit dem Manual unseres neuen Kunden hat Spaß gemacht und war wirklich effizient. Jetzt ist alles in Produktion, und wir halten die Daumen, dass auch das Endresultat überzeugt.

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21.6.07
creativespace.at

Die Wiener Wirtschaftskammer hat sich in den letzten zwei Jahren sehr um die so genannten «Creative Industries» gekümmert mit dem erklärten Ziel, Wien zu einem Top-Standort für diese Sparte zu machen. Diverse Initiativen und Förderungen wurden dafür ins Leben gerufen, insbesondere für die Sparten Produktdesign, Musik und Mode, wo man sich den schnellsten Nutzen für den Wirtschaftsstandort erwartet.

Das neuste Produkt dieser Anstrengungen ist creativespace.at, eine Website, die als Plattform für die gesamte Wiener Kreativwirtschaft dienen soll, beziehungsweise als Marktplatz, auf dem die nicht so kreative Wirtschaft Dienstleistungen finden soll.

Klar, wir lassen keine Gelegenheit aus, unsere Referenzen zu präsentieren. Also haben wir uns fix registriert und wurden per Mail mit einem Word-Formular beglückt, das es korrekt auszufüllen galt, inkl. einer Liste mit den zu verlinkenden Bildern. Willkommen im Web 0.5! Gut, der Content stand trotzdem sehr fix online und schaut auch ganz gut aus. Da die Kammer massiv Werbung für das Portal gemacht hat, haben sich auch einige Zugriffe auf unsere Website ergeben. Dennoch ist die Liste der Unternehmen, die mitmachen, bisher eher kurz, vor allem in den Bereichen jenseits von Grafik Design. Noch viel kürzer ist die Liste der Job-Angebot im Marktplatz. Gut, lassen wir es mal in Ruhe wachsen.

Klar ist: Ich erwarte mir nicht viel von dem Portal. Meine Vermutung ist, dass es vor allem von der Kreativindustrie dazu benutzt wird, ein Auge auf die Konkurrenz zu werfen. Auch okay. Der Trendforscher Charles Leadbeater hat es in diesem Interview jedoch schön auf den Punkt gebracht: Wenn schon staatliche Intervention, dann sollte in das kreative Umfeld einer Stadt investiert werden. Da gäbe es in der Kulturstadt Wien viele Ansatzpunkt, wo durchaus auch schon etwas gemacht wird. Die hundertste Netzwerkplattform und das tausendste Netzwerktreffen mit Buffet werden an der Situation, dass Design von der Mehrzahl der Unternehmen unterschätzt wird, nichts ändern. Kein Verband kann uns die Arbeit abnehmen, raus zu gehen und unsere potenziellen Kunden zu überzeugen.

Die einzige Netzwerkplattform, die mir je etwas gebracht hat, ist XING, als es noch OpenBC hieß. Was meiner Meinung nach daran liegt, dass auf dieser Plattform (für die Benützer) die Menschen und nicht das Geschäft im Vordergrund stehen. Es geht für mich eher darum, das Potenzial der realen Vernetzung meiner Kontakte zu erkennen, als dieses Netzwerk künstlich zu erweitern. Wenn Netzwerke dazu geschaffen werden, irgend jemandem etwas zu verkaufen, führt das nur dazu, dass die Mitgliederliste voller Verkäufer ist, die dir etwas andrehen wollen. Dementsprechend wenige Käufer werden da mitmachen. Echte Netzwerke, gute Plattformen sind eben gerade nicht geschäfts- und zielorientiert. Das Netzwerk ist Selbstzweck. Und das ist paradoxerweise gut fürs Geschäft.

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2.5.07
Allofin

Heute ist der Emissionstag und damit der offizielle Launch einer neuen Marke für Hedgefonds-Indexzertifikate, an deren Entwicklung wir mitgearbeitet haben. Sowohl der Name «Allofin» als auch Logo, Informationsbroschüren und Webdesign wurden im kreisrot-Büro ersonnen.

Ein wenig zum Hintergrund des Projekts: Wir wurden letzten Herbst von der Münchner Asset Allocation AG beauftragt, beim Launch einer neuen Investment-Marke mitzuhelfen. Das war insofern eine anspruchsvolle Aufgabe, als die Produktkategorie relativ neu, das Produkt selbst hochkomplex und die Berichterstattung zum Thema Hedgefonds zum Teil negativ ist. In einem kurzen Brand-Workshop haben wir erarbeitet, in welche Richtung wir inhaltlich und optisch gehen werden: Es galt, das neue Produkt als seriöse Alternative zu Aktienfonds und attraktive Ergänzung für das Portfolio im Sinne einer Diversifizierung zu positionieren. Für uns bedeutete das Zurückhaltung in Wort und Bild, das Gegenteil von Marktschreierei aber dennoch Differenzierung vom Finanz-Einheitsbrei.

Bei der Namenssuche haben sich Dutzende Ideen gestapelt, viele wurden verworfen, weil wir uns freie .de- und .at-Domains vorgenommen haben. Aus vier präsentierten Ideen ging «Allofin» als klarer Favorit hervor. Die griechische Vorsilbe «allo-» steht für «anders» und existiert in unserer Sprache bereits in Fremdwörtern wie «Allophon». «Allofin» ist also ganz einfach das andere Finanzinvestment, gleichzeitig eine Andeutung auf den Namen des Unternehmens, das hinter dem Produkt steht, und ein Wort, das so wirkt, als könnte man es schon kennen. Also hoffentlich keine vermurkste Wortschöpfung im Dienste der Rechtsabteilung.

Das Logo wurde ein relativ schlichter Schriftzug, gesetzt in Adobes «Minion Pro», wobei wir die Ligatur im Verlauf der Weiterentwicklung etwas durchbrochen und damit hervorgehoben haben. Die Mischung von Dunkelrot und Dunkelgrau ist für uns einerseits sehr stilvoll und nicht omnipräsent im notorisch dunkelblauen Finanzmarkt, andererseits eine gute Kombination von kalten und warmen Farben. Im Layout der achtseitigen Informationsbroschüre und der Website ziehen sich Stil und Farbwelt weiter. Das Zielpublikum, allen voran Anlageberater, will kein Werbe-Blabla, sondern Zahlen, Daten, Fakten. Unser Job war es, diese möglichst übersichtlich und ansehnlich zu präsentieren, ohne dabei die zentrale Botschaft aus den Augen zu verlieren.

Die Allofin-Zertifikate können in Deutschland schon gezeichnet werden, und die Reaktionen der Fachwelt sind positiv. Jetzt gilt es zu beobachten, ob die Marke mittel- und langfristig das gewünschte Profil entwickelt. Wir hoffen jedenfalls, dass der Name «Allofin» bald jene Selbstverständlichkeit haben wird, die funktionierenden Marken eigen ist.

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29.3.07
Adobe CS3

Adobe hat die Katze zumindest teilweise aus dem Sack gelassen. Wir wissen jetzt, dass die Adobe Creative Suite 3 im zweiten Quartal 2007 erscheinen wird, als Universal Binary ab OS X 10.4 und in ganz neuen Paketen: Für Design, Web, Produktion und als Überdrübersupergesamtpaket mit allem. Der Kauf von Macromedia hatte natürlich Auswirkungen: GoLive (Adobe) und Freehand (Macromedia) sind tot, ihre Stelle übernehmen Dreamweaver und Illustrator. Aus meiner Sicht eine gute Wahl.

Eine schöne Übersicht gibt es hier.

Bei uns steht ziemlich sicher ein Upgrade von CS1 Premium auf CS3 Design Premium an, damit kriegen wir für einigermaßen günstig Geld Dreamweaver und Flash dazu (und viele andere nette Sachen wie Stock Photos, Adobe Bridge und einiges, das ich noch nicht identifiziert habe). CS 2 hatten wir uns nicht geleistet, obwohl einige Funktionen (vor allem in InDesign) zwischendurch wertvoll gewesen wären.

Ich bin schwer gespannt, wie CS3 auf meinem G4 laufen wird... Beim Rausrechnen von PDFs und gleichzeitigem Laufen von Photoshop, Illustrator und InDesign ging der Prozessor schon mal in die Knie. Klar ist: Mehr RAM muss her. 1 GB ist das Minimum für CS3.

Was die Programm der CS3 alles an Neuem bieten, wird wohl erst über die kommenden Wochen herauskommen. Mir würde da einiges einfallen, was ich mir von InDesign und Illustrator wünsche. Mal sehen, was Adobe vorhergesehen hat.

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20.3.07
Billige Logos

Wie jede Branche ist auch unsere mit der Herausforderung konfrontiert, dass es Diskonter gibt und deren Angebote einen ganz schön ins Schwitzen bringen können. Ein kurzer Blick ins Internet bringt zu Tage, dass es Logos heute schon um 49 Euro gibt. Selbst wenn man die versteckten Nachzahlungen (für Printauflösung, Nutzungsrechte, u.s.w.) addiert, kommt man immer noch auf Paketpreise unter 200 Euro.

Die Diskonter zu verteufeln ist zwar eine verständliche Reaktion, bringt aber niemanden weiter. Vielleicht sollten wir sie sogar begrüßen: Sie schöpfen all jene Logo-Interessenten ab, die in einem gut gestalteten Logo keinen Wert sehen und damit auch nicht bereit sind, dafür Geld zu investieren. Und ich meine »investieren« im klassisch unternehmerischen Sinn: Einmal Geld in die Hand nehmen, um über die Jahre ein Vielfaches davon zu verdienen. Wer gutes Corporate Design nicht als Investition sieht, sollte auch nicht investieren.

Wahrscheinlich werden die Logo-Billigheimer aus einem ganz anderen Grund schief angesehen: Sie zwingen uns dazu, immer wieder neu zu argumentieren, was gutes Design ausmacht und warum es Geld kostet. Ein mühsames, aber notwendiges Unterfangen. Man nennt es außerhalb der Kreativwirtschaft »Verkaufen«.

Um dennoch eine Lanze für uns Niedrig-, Normal- und Hochpreisdesigner zu brechen: Es gibt vieles, was gegen ein Diskont-Logo spricht. Das wichtigste Argument ist die Tatsache, dass sich die Billigheimer die aufwändigste und gleichzeitig wichtigste Phase der Logoentwicklung sparen: das Kundengespräch. Man füllt als Kundin oder Kunde nur ein Webformular mit einigen Angaben zum Unternehmen oder zum Produkt aus und los geht's! Auch die Korrekturphase läuft nur über E-Mail. Das ist ungefähr, als würden Sie Liebesbriefe an Menschen schreiben müssen, die sie noch nie im Leben gesehen haben. Unserer Erfahrung nach entscheidet sich die Qualität einer Logo-Entwicklung gerade im persönlichen Kontakt, in den Fragen, die der Designer dem Kunden stellt. Nicht selten kommt der Kunde erst in diesem Gespräch darauf, was er tatsächlich will und braucht. Die entscheidenden Dinge passieren also, bevor der erste Entwurf gezeichnet wird. Beziehungsweise eben gar nicht, wenn man sich diese Phase spart. Das ist dem Resultat anzusehen, vor allem aber anzuspüren. Wenn das Logo die Individualität und Einzigartigkeit des Unternehmens zum Ausdruck bringt, findet eine echte Identifizierung mit dem Logo statt. Ein Effekt, der mit Geld kaum aufzuwiegen ist, den man aber nicht industriell produzieren kann.

Zweitens ist es wie bei vielen Diskontern so, dass irgendwer draufzahlt. Wer mit ein paar Euro pro Logo Geld verdienen will, muss entweder blitzschnell sein oder billig einkaufen. Das erste funktioniert nur mit Vorlagen und Grafikarchiven oder indem man sich an gängige Muster hält. Beides nicht förderlich, wenn es um Individualität geht. Billig einkaufen heißt, unwissende Grafikstudenten und Hobbykreative auszunutzen und natürlich in Kauf zu nehmen, dass kaum einer von diesen Software, Bilder oder Schriften legal besitzen. Das ist, zugegeben, nur eine Annahme, die ich nicht beweisen kann.

Das dritte Argument ist die grafische Qualität. Viele der Diskont-Logos schauen vielleicht ganz gut aus, sind aber nur für eine Anwendung gut, meistens fürs Web. Einmal kopiert und gefaxt, schon bricht die bunte Schönheit zusammen und es sind nur noch ein paar Schlieren zu sehen. Und wieder zahlt einer drauf: Nämlich der Kunde, der jedes Mal grafische Anpassungen finanzieren muss und wohl nach ein paar Jahren gleich ein Redesign vom Profi braucht. Ganz nach dem Motto: Kaufen Sie das Billige, wenn Sie es sich leisten können.

Ich gebe zu: Das gilt nicht für jedes Billig-Logo. Auch ich war schon manchmal überrascht, dass die eine oder andere wirklich brauchbare Lösung für 69 Euro im Web zu haben war. Es ist nur zu hoffen, dass auch der Logo-Gestalter etwas davon hatte.

Ich bleibe dabei: Billig-Angebote haben ihren Platz im Kreativmarkt. Die »Industriellen« erziehen uns »Handwerker« dazu, unsere Stärken auszubauen und nicht selbst plötzlich bei gleich bleibenden Preisen »billige« Logos produzieren. Bleiben wir bei der Maßarbeit.

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5.3.07
Farbenforschung

fontblog berichtet gerade über den Namens- und Logowechsel der ehemaligen Norisbank, jetzt Teambank, und zitiert die dazu gehörende Pressemitteilung:

»Die Kreation des Markenschriftzuges TeamBank AG beruht auf einer internationalen Wettbewerbs- und Farbassoziationsanalyse. Zudem nimmt der Schriftzug Markenkernwerte wie Aufstiegshunger, Schrittmacher oder auch Prozessführer auf.«

Ich bin immer etwas gehemmt, wenn es darum geht, über die Arbeit von Kollegen zu schreiben, weil auch hinter dem unscheinbarsten Logo zum Teil hervorragende konzeptuellle Arbeit steckt, die sich erst im späteren Leben der Marke erschließt. Diesem Logo ist allerdings anzusehen, dass es auf Basis einer »internationalen Wettbewerbs- und Farbassoziationsanalyse« entstanden ist.

Marktforschung und vor allem eine klares Bild des Designs der Mitbewerber haben selbstverständlich ihren Platz im Corporate-Design-Prozess. Ich muss wissen, wie Banken heute aussehen, um zu wissen, wie eine neue Bank (oder eine alte Bank im neuen Gewand) in diesem Markt positioniert werden kann. Vorsichtiger wäre ich allerdings, wenn es um Marktforschung beim Publikum geht, insbesondere beim Thema Farben. Farbsymbolik und Farbassoziationen sind ausgesprochen flüchtige und widersprüchliche Angelegenheiten, wie hier schon einmal besprochen. Wandert man ein paar Kilometer gen Osten oder lässt ein paar Jahre verstreichen, verwandeln sich Assoziationen mit Farben gerne in ihr Gegenteil. Schwarz wird Weiß, Rot wird Gelb, zumindest, was die Bedeutung betrifft. Das wird keineswegs dadurch besser, dass man 1.000 Ahnungslose fragt, wie sie dieses oder jenes Blau bewerten würden. Wie stand das mal in Brand Eins? Jene, die nicht wissen, was sie wollen, befragen jene, die nicht wissen, worum es geht.

Kein Wunder, dass auf diesem Weg Farben herausgekommen sind, die jenen der Web-2.0-Fotoseite flickr erschreckend ähnlich sind. Was sollen uns die Farben also wirklich sagen? Die neue Bank ist so schrecklich angesagt und aufgeblasen wie das Thema »Web 2.0«? Oder gibt es da ein »User Generated Konto»? Ich tippe auf ein Redesign in spätestens zwei Jahren.

Bild: Teambank AG

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1.3.07
Kiwi statt Nougat

Nehmen wir einmal an, wir wollen einen neuen Schokoriegel auf den Markt werfen, der mit Kiwi gefüllt ist. An sich eine gute Idee, denn das gibt es in der Art noch nicht. Die Leute werden sich über die Neuigkeit freuen, die Early Adopters werden zugreifen und wem Kiwi schmeckt, der wird wieder kaufen. Da fragt sich der gelernte Marktstratege: Was ist mit all den Leuten, denen Kiwi nicht schmeckt? Die das grüne Zeug in brauner Schoko nicht hübsch finden? Die möglicherweise sogar eine Allergie auf Kiwis haben? Da gehen einem gleich 5 bis zehn Prozent der potenziellen Zielgruppe verloren. Vielleicht mit Erdbeere mischen? Und einen Schuss Karamell dazu. Etwas Nougat, und wir haben entweder jeden Geschmack neutralisiert, etwas vollkommen Ungenießbares produziert oder den Marsriegel neu erfunden – nur schlechter.

Dass es nicht funktioniert, es allen recht machen zu wollen, mag im Beispiel des Schokoriegels einleuchtend sein. Wenn es jedoch um die Positionierung eines neuen Unternehmens geht, passieren oft genau diese Fehler. Aus Angst, einen Teil des potenziellen Publikums zu verschrecken, verweigern viele Unternehmer jegliche Festlegung. Als Unterscheidungskriterien und zentrale Qualitäten des Unternehmens werden dann Dinge wie Professionalität, Seriosität oder Kundenfreundlichkeit genannt. Also das, was für jedes Unternehmen selbstverständlich sein sollte und sich jedes Unternehmen auf die Fahnen schreibt. Das ist das Gegenteil von Positionierung. Es bedeutet, mit nicht mehr als dem kleinsten gemeinsamen Nenner einer Branche in einen Markt zu gehen, der nicht gerade auf einen gewartet hat. Man bleibt ein Unternehmen ohne Eigenschaften. Damit verschreckt man zwar niemanden, man wird aber auch von niemandem wahrgenommen.

Was würde denn passieren, wenn man sich doch für die Kiwifüllung entscheidet? Wenn ein Unternehmen inhaltlich, optisch und kommunikativ gegen den Strom schwimmt und die Erwartungen der Massen bewusst ignoriert? Es wird anecken, Ablehnung provozieren. Mit anderen Worten: Es wird wahrgenommen. Und es wird von jenen gekauft werden, die den Nougat-Einheitsbrei schon lange satt haben. Und wenn das nur zwei Prozent der Konsumentenschar sind; es sind immer noch mehr, als wenn ich die Gesamtbevölkerung ansprechen möchte und mangels Identität ignoriert werde.

Deshalb: UnternehmerInnen, habt Mut zu Entscheidungen, legt euch auf eine klare, eigenständige Linie fest. Es gibt Menschen, die darauf warten.

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13.2.07
Musik und Design

Endlich hat sich mein breites Allgemeinwissen in Sachen Popkultur mal bezahlt gemacht. Jürgen vom Fontblog rief auf, einen Song anhand eines kurzen Bass-Intros zu erkennen und damit gleich den Eröffnungssprecher der Typo 07 zu erraten, der dasselbe einst zupfte. Mein geschultes Ohr erkannte "You're So Vain" von Carly Simon, der Rest war eine Frage geübter Googelei. Ich habe so netterweise ein T-Shirt und eine Tonne feiner Druckwerke vom Fontshop geschenkt erhalten und herausgefunden, dass der Zupfer und Sprecher Klaus Voormann ist, der einst das legendäre Cover zum Album «Revolver» der Beatles gestaltete. Von hier aus noch einmal danke für die netten Preise!

Ein Gedanke noch zu Klaus Voormann: Wie kommt es, dass so viele Grafiker auch Musiker sind? Wir sind da ja keine Ausnahme, Helmut ist eigentlich Profi-Schlagzeuger und ich trommle auch herum, wenn auch als blutiger Amateur.

Verwandtschaft zwischen den beiden Ausdrucksformen gibt es allerdings zu Genüge. Es geht bei beiden um Leidenschaft und Struktur, ums Brechen und Einhalten von Konventionen, um Harmonie und Lärm, um Freude fürs Auge bzw. Ohr. Musik ist Design, Design ist Musik? Warum nicht.

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5.2.07
Spruch

Die "Stiftung Deutsche Sprache" bemüht sich darum, für nicht zwingend notwendige Fremdwörter aus dem Englischen eine deutsche Übersetzung zu finden; wir haben berichtet. Die Idee dahinter ist nicht Deutschtümelei, sondern ein gesundes Interesse daran, unsere Sprache weiterzuentwickeln und für neue Ideen auch neue Begriffe zu finden. Durch die Tausenden Einsendungen Sprachinteressierter und die findige Jury entstanden Wortempfehlungen wie "Rufdienst" für "Callcenter", "Messlatte" für "Benchmark" oder "Denkrunde" für "Brainstorming".

Die aktuelle Empfehlung der Stiftung lautet, den Begriff "Slogan", eigentlich Gälisch für "Schlachtruf", durch den guten alten "Spruch" zu ersetzen. Damit wäre dann endlich auch der entbehrlichen Diskussion ein Ende gesetzt, ob nun ein Slogan ein Claim ist oder nicht oder umgekehrt. Tatsächlich geht es ja nur um eines: Einen knackigen Spruch für ein Produkt oder ein Unternehmen zu finden, der sich entsprechend in die Gehirne der Konsumentinnen und Konsumenten eingräbt. Der Idealfall ist, wenn der Werbespruch zum allgemein gültigen Spruch wird. Man denke nur an Clausthalers "Nicht immer, aber immer öfter".

Die zweite Empfehlung der Stiftung für diesen Monat ist übrigens, den Begriff "Newsletter" durch "Infobrief" zu ersetzen. Und warum, bitte, nicht "Rundschreiben"?

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31.1.07
Logo-Trends 07

Die Kollegen von Logo Orange in den USA haben kürzlich jene Trends beleuchtet, die angeblich die Gestaltung von Logos im Jahr 2007 bestimmen werden. Auffällig daran: Einige der Trends wurden schon fürs Jahr 2005 ausgerufen, damals vom Dachverband Graphic Design USA. Darunter fallen unter anderem die so genannten "Hot Dogs", also kleine, comicartige Strahlen als illustratives Element, und die Tendenz, Logos mit Verläufen, Transparenzen und Schatten zu 3D-Buttons zu machen, wie wir sie aus dem Web und Benutzeroberflächen wie Apples Aqua kennen.

Und damit wären wir schon beim Meta-Trend Nummer Eins: Design, das für den Bildschirm gedacht war, erobert das Papier. Logos legen sich in die dritte Dimension und nutzen so gut wie jeden Effekt, den Photoshop hergibt. Neben den schon fast ausgelutschten Transparenzen und Schattierungen kommen nun die Spiegelungseffekte in Mode - der iTunes-Store lässt grüßen. Trendsetter sind hier die Logos einiger Web-Startups, die in die Schublade "Web 2.0" gepackt wurden.

Damit werden die Regeln des traditionellen Logo-Designs immer durchlässiger. Waren früher Verläufe und Pixelgrafiken generell verpönt, heißt es heute "anything goes". Das hängt einerseits mit dem Einfluss des Bildschirmdesigns auf unsere Sehgewohnheiten zusammen - wen reißt schon eine simple Vektorgrafik vom Hocker, wenn es täglich am Bildschirm glitzert und blinkt. Andererseits haben sich auch die technischen Rahmenbedingungen geändert. Verläufe und Schattierungen sind heute besser reproduzierbar, und niedrig auflösende Technologien wie Fax, die zu komplexe Logos sofort bis zur Unkenntlichkeit entstellen, landen langsam aber sicher im Alteisen. Klassisches Logodesign wird dadurch nicht aussterben, sondern einfach eine Disziplin unter vielen werden.

Möglicherweise doch eine wichtige Disziplin, denn auch die tollsten 3D-Logos stoßen an ihre Grenzen, wenn Sonderfarben, Siebdruck oder Prägungen ins Spiel kommen. Es sind also längst nicht alle Probleme gelöst, die 3D-Logos machen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir uns sehr schnell an der Web-2.0-Optik satt sehen werden, gerade weil sie ein Trend ist. Klassische Logos werden vielleicht seltener einen Wow-Effekt auslösen, dafür stehen sie auch nach zehn Jahren noch selbstverständlich da wie der Fels in der Brandung, wenn für die Hype-Logos das "wow" längst zum "wäh" geworden ist. Call me old-fashioned ...

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24.1.07
Top 100 Fonts

Es gibt keine schlechten Schriften, schreibt Erik Spiekermann in seinem Buch "Über Schrift". Doch jede Schrift hat den ihre zugedachten Zweck, und oft genug geschieht es, dass ein Schriftschnitt auf unbekömmliche Art eingesetzt wird. Leicht ist es nicht, aus buchstäblich Tausenden Möglichkeiten die richtige Schriftart für ein Logo, eine Hausschrift oder eine Anzeige zu finden.

Etwas Orientierung verspricht die gerade eben ins Netz gestellte Website "Die 100 besten Schriften" (via fontblog). Die Macher haben die Verkaufszahlen des Fontshop durchforstet und eine Fachjury engagiert, um aus der unübersichtlichen Menge auf Basis objektiver Kriterien jene Fonts herauszufiltern, die sich in den letzten Jahrzehnten (und Jahrhunderten) bewährt haben. An der Spitze steht das Arbeitstier schlechthin: Helvetica.

Dahinter steckt natürlich auch ein kommerzielles Interesse: Der Top-100-Fonts-Sampler ist bereits in Arbeit. Eine gute Sache, da es heute nur wenig Produkte zwischen einzelnen Schriftfamilien und kaum finanzierbaren Gesamtbibliotheken gibt. Wir sparen schon mal.

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23.1.07
Der ideale Designer

Ich habe den idealen Designer getroffen. In ihm sind all jene Eigenschaften, Talente und Charakterzüge vereint, die man sich wünschen kann von jemandem, der hauptberuflich gestaltet.

Erstens: Er hat wache Augen, denen auch das kleinste Detail nicht entgeht. Dort, wo unsereiner längst durch- und drüberschaut, blickt er genau hin. Was ist auf dem Pin, der auf der Kappe der Frau in der U-Bahn steckt, abgebildet? Welche Details sind in dem gedruckten Bild versteckt? Inwiefern ähnelt ein Rollschuh einem Auto und umgekehrt? Ihm entgeht nichts.

Zweitens: Er ist von einer unbändigen Neugierde beseelt, angetrieben von einem heiligen Forscherdrang. Er probiert all das aus, worauf wir überhaupt nicht kommen würden. Er dreht Vorne nach Hinten und Unten nach Oben, um zu schauen, wie die Dinge reagieren. Und doch sind seine Experimente logisch: Das Mobiltelefon passt genau in den Einschub vom Videorekorder. Also wollen wir doch mal schauen, was passiert …

Drittens: Er kombiniert die Schöpferkraft des Chaos mit der Strenge der Ordnung. Es macht ihm Freude, bestehende Strukturen komplett durcheinander zu bringen, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Gleichzeitig achtet er mit größter Akribie und Konzentration darauf, dass alles, was er produziert, einer für ihn sinnigen Ordnung folgt.

Viertens: Lernen heißt für ihn Spielen, Spielen heißt Freude, Freude heißt Leben. Eine grenzenlose Begeisterung für das eigene Schaffen durchdringt ihn, und mit dieser Begeisterung steckt er die Menschen um sich herum an.

Der ideale Designer hat nur einen Haken: Er ist erst 17 Monate alt und hat dementsprechend noch etwas Mühe mit dem Entziffern von Briefings und der Bedienung von InDesign. Doch mein Sohn kann Lehrmeister spielen und mir dabei helfen, den Zweijährigen in mir wieder zu entdecken. Und vielleicht hat er ja in ein paar Jahrzehnten Lust, die Bude zu übernehmen.

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4.1.07
Design Austria

Wir haben schon wieder Grund, stolz zu sein. Dieses Mal klopfe ich der anderen Hälfte von kreisrot auf die Schultern: Helmut Schiefer ist ab sofort Mitglied im exklusiven Dachverband der österreichischen Gestalter, design austria. Klingt jetzt vielleicht nicht besonders, aber immerhin wurde Helmut auf Basis der Qualität seiner Arbeiten eingeladen. Denn Mitglied von design austria kann nur werden, wer auch wirklich professionelles Design schafft. Also: Herzliche Gratulation, Helmut!

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3.1.07
Kreativität

Eine schönes, erfolgreiches und mit Freude vollgepacktes Neues Jahr wünschen wir Kreisroten allen unseren Blog-Leserinnen und Lesern! Anfang Jahr (Vorsatz!) geht es gleich ans Eingemachte …

Eine intensive Hassliebe verbindet mich mit dem Begriff Kreativität. Einerseits steht er für eine der schönsten und wichtigsten Energien im Leben, das Schöpferische, den Entdeckerdrang, den Aufbruch zu neuen Ufern. An meinem kleinen Sohn lässt sich aufs Eindrücklichste beobachten, welche Kräfte diese Energie ins Rollen bringt, wenn man sie nur wirken lässt. Es gehört auch zu den befriedigendsten Erfolgserlebnissen, mit dieser Energie neue Dinge geschaffen, neue Lösungen gefunden oder auch nur eine wilde Idee geboren zu haben.

Andererseits geht mir der Begriff Kreativität schwer auf die Nerven, besonders die Art, wie er in der so genannten Kreativbranche benutzt wird. Kreativität wird hier zum Verkaufsargument und zur Forderung des Kunden. Alles und jedes muss kreativ sein, selbst wenn solides Handwerk die beste Lösung wäre. Dass dieses Handwerk nicht kreativ sein soll, ist eben das große Missverständnis. »Das ist mir nicht kreativ genug« wird so zum Killerargument, das keinen Widerspruch zulässt.

Wir laden die Kundinnen und Kunden natürlich dazu ein, indem wir uns als Kreative verkaufen. Damit sollten wir wohl aufhören, denn einerseits ist Kreativität wohl die Voraussetzung für unsere Arbeit und kein Alleinstellungsmerkmal (kreativ sind wir alle), andererseits fragt es sich, was wir unter Kreativität verstehen. Viele halten zum Beispiel grafische Gestaltung nur dann für kreativ, wenn einem dabei die Augen übergehen, wenn jeder erdenkliche Effekt ausgeschöpft wurde. Andere haben einen künstlerischen Anspruch und stellen den Wunsch, Neues zu schaffen, über alle anderen Faktoren wie Übersicht, Verständlichkeit, Zielgruppenaffinität oder Sehgewohnheiten.

Für mich bedeutet Kreativität, einfache Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Mit Hirnschmalz, herzhaftem Engagement und einem gesunden Bauchgefühl. Ob das Resultat dann vom Durchschnittsbürger als kreativ bezeichnet wird, ist herzlich egal.

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12.12.06
Top 30 Grafikdesign Blogs

Dieses Blog soll ja gerade nicht ein Forum der Selbstbeweihräucherung sein, aber es ist bald Weihnachten, und da kann man sich mal was gönnen. Die schöne Netzpräsenz Top 100 Business Blogs bemüht sich, die besten und beliebtesten Blogs aus unternehmerischer Feder in deutschsprachigen Landen zusammenzustellen und zu reihen. Netterweise ist man dabei auch über das kreisrote Rundschreiben gestoßen und listet uns seither unter den Top 30 der Kategorie Grafikdesign, nach solchen unverzichtbaren Informationsquellen wie Fontblog und HD Schellnack. Ganz einsam leuchtet bei uns ein österreichisches Fähnchen unter ganz viel Schwarz-Rot-Gold. Ich würde ja gerne sagen, dass wir die einzigen sind, aber der Kollege Eixelsberger wurde fälschlicherweise eingedeutscht. Die Reihung der Blogs erfolgt übrigens auf Basis der Backlinks auf Technorati. Dementsprechend freuen wir uns, wenn fleißige Blogger auf den einen oder anderen interessanten Artikel im Rundschreiben verweisen.

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5.12.06
Typography School

David Dabner von der London College School of Printing meint: Computer machen schlampig. Er hat insofern recht, als uns der Computer vorgaukelt, dass jeder alles kann. Selbst für Layout gänzlich ungeeignete Programme wie Microsoft Word geben jedermann Werkzeuge in die Hand, um schnell einmal einen Geschäftsbericht, eine Zeitschrift oder ein Kundenformular zu basteln. Das Resultat tendiert dazu, unübersichtlich, unleserlich und unprofessionell zu werden. Das sieht auch der Laie, doch nur der gelernte Typograf wird sehen, wo das Problem liegt. Im Detail. Am fehlenden Wissen.

Dabners Vorschlag, sich mal an die Druckerpresse zu stellen und auch mal zwischendurch Papier und Bleistift in die Hand zu nehmen, ist sinnvoll. Man lernt so das Handwerkszeug der Typografie, das bis heute die Basis guten Layouts ist; egal, wie es letztlich umgesetzt wird. Schließlich arbeiten wir bis heute trotz Desktop-Publishing und Digitaldruck mit Schriften, Begriffen und ästhetischen Prinzipien aus dem 16. Jahrhundert. Die Werkzeuge haben sich verändert. Das Prinzip des Lesens nicht.

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27.11.06
Alibi-Identität

Ein neues Corporate Design beginnt mit der Arbeit an der eigenen Identität. Gute Designs können nur entstehen, wenn vor dem ersten Entwurf klar ist, welche Botschaft wir überhaupt kommunizieren wollen. Deshalb nötigen wir unsere Kunden, bevor wir irgend etwas tun, mit uns in einem kleinen Workshop die eigene Corporate Identity, also die Unternehmensidentität, genauer anzuschauen.

Ein fixer Bestandteil dieses Workshops ist die Suche nach Adjektiven, die zentrale Qualitäten des Unternehmens beschreiben. Erstaunlicherweise ist es für viele Kundinnen und Kunden nicht einmal so leicht, spontan fünf solche Adjektive zu produzieren. Im Alltagsgeschäft gehen die eigenen Stärken allzu oft vergessen. Noch öfter kommen bei dieser Übung jedoch Stichworte wie diese heraus:

  • Professionell
  • Verlässlich
  • Kundenorientiert
  • Innovativ
  • Dynamisch

Wie viel diese Begriffe wert sind, dass haben die Kollegen von Identitäter in ihrem Alibi-Leitbild auf wunderbare Weise dargestellt: Es sind nur nach Schema F reproduzierte Floskeln. Der Unternehmer und die Unternehmerin listet also auf, was heute für jede Firma selbstverständlich sein sollte.

Da hilft nur genaues Nachfragen. Was genau bedeutet »professionelles« Arbeiten für Sie? Und inwiefern sind anderen Anbieter am Markt weniger professionell? Was ist es ganz konkret, dass Sie von der Masse unterscheidet? So treten oft erstaunliche Dinge zu Tage, die man nie erfahren hätte, hätte man sich mit den Floskeln abspeisen lassen.

Warum das Nachbohren so wichtig ist? Ganz einfach: Die informierten Konsumentinnen und Konsumenten der Gegenwart haben inhaltsleere Versprechen satt. Sie wollen Fakten statt Superlative, handfesten Nutzen statt flüchtige Features. Sie wollen wissen, warum sie gerade bei diesem Unternehmen kaufen sollen, wo es doch so viele andere gibt.

Wenn das auch der Logo-Designer weiß, dann wird mehr herauskommen als bunter Schmuck für die rechte obere Ecke der Visitenkarte. Dann wird das Logo Ausdruck der einzigartigen Identität des Unternehmens, ein Zeichen mit dem Potenzial zur Marke.

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20.11.06
Gar nicht lustig

Wohl keine Schriftart der Welt – mit der möglichen Ausnahme von Arial – ist unter Designern so unbeliebt wie Comic Sans. Der Grund dafür ist paradoxerweise in ihrer Beliebtheit bei Nicht-Designern zu suchen. Seit Windows 95 schickt Microsoft die Schrift mit seinem System mit, und seither schmückt die Comic Sans alles, was irgendwie lustig, freundlich und verspielt sein soll. Von der Menükarte über den Firmenfolder bis hin zum Plakat.

Dabei schreibt selbst der Designer der Comic Sans fast entschuldigend auf seiner Website, dass diese Schrift nur für die Sprechblasen eines lustigen Hundes in einem Microsoft-Programm gezeichnet wurde. Für längere Texte oder gar Beschriftungen war sie nie gedacht. Doch dann spielte das Prinzip «Microsoft Office»: Was an Schriften installiert ist, wird auch eingesetzt. Die Resultate sind unter anderem bei Flickr zu bestaunen.

Das macht Designer wütend. So wütend, dass sie eine Aktion gestartet haben, die Comic Sans verbieten will: Ban Comic Sans. Eine lustige Aktion gegen die nicht lustige Schrift? Nun, die Abneigung der Profis gegen Comic Sans hat Gründe jenseits des Branchendünkels. Comic Sans hat keine durchgehende Grundlinie, dadurch scheinen die Buchstaben herumzuspringen und das Auge wird nicht geführt. Die Bögen und Schenkel der Buchstaben sind krakelig, die Buchstaben mal nach links, mal nach rechts geneigt. Auch das hemmt den Lesefluss ungemein. Durch die unruhige Führung wird auch die Erkennbarkeit auf Distanz minimiert. Kurz: Comic Sans ist schlicht und einfach keine Leseschrift. Dann doch lieber Times New Roman.

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