5.2.09
Relaunch: UPC
Die ersten Anzeichen habe ich ja schon letzten Frühling bemerkt. Jetzt ist es also tatsächlich soweit: UPC Österreich übernimmt das neue Logo des mütterlichen Konzerns. Damit einher geht ein Relaunch der Website, der allerdings schon seit einiger Zeit im Gange ist und nicht mehr viel Neues bietet, bis auf die Fehlermeldungen, die sie zumindest auf meinem Mac regelmäßig produziert.
Gleichzeitig wird der Markenname «chello» für die ISP-Sparte von UPC eingestampft und durch upc live ersetzt, auch hier gibt es eine neue Website, auf der das bekannte Chello-Orange verschwunden bzw. dem Weiß-Blau von UPC gewichen.
Über das neue Logo habe ich ja schon letzten März ausgelassen. Ich kann mich noch immer nicht damit anfreunden. Der Verzicht auf die Marke Chello hat eine gewisse Logik: Bei UPC will man ja Pakete verkaufen, möglichst keine Einzelleistungen. Dem widersprach bisher die Nomenklatur, erhielt man früher im gleichen Paket von derselben Firma drei Marken: Chello, Priority und Telekabel TV. Heute kriegt man halt upc live, Digital Telefon (Original mit Deppen-Leerzeichen) und komischerweise Telekabel oder halt Digital TV.
Schade ist es um zwei Dinge: Die Marke «Chello» hatte, mit allen Höhen und Tiefen ihres Daseins, einen Charakter und einen Markenkern: schnelles Breitbandinternt via Kabel. «upc live» hat das nicht und ist überdies ein langweiliger, charakterloser Name. Die URL upclive.at verleitet außerdem dazu, das Wort «up-Clive» zu lesen, vielleicht eine Art Clive-Barker-Fanclub. Um Priority ist es schade, weil das Telefon via Kabel funktioniert hat, während «UPC Digital Telefon» zumindest uns nur Ärger gemacht hat: Routing-Probleme, keine Rufnummernanzeige, Probleme bei der Rufnummerportierung, fehlgeleitete Anrufe, Kein-Anschluss-unter-dieser-gültigen-Nummer etc. Und selbstverständlich der Call-Center-Klassiker: Ein Dutzend Mal in der Warteschleife für nichts und wieder nichts. Das hat wenig mit dem Namen oder dem Logo zu tun, aber es gilt halt das Motto: Ein schlechtes Produkt kann auch das schönste Logo nicht besser machen.
Labels: Redesign
28.9.07
Neue Banken-Logos
Kaum entschließt man sich mal, eine Woche auf Urlaub zu gehen, entschließen sich gleich zwei große österreichische Banken zum Rebranding. Die Ba-Ca hat sich entschlossen, künftig wieder nur noch Bank Austria zu heißen. Damit ist der Markenname Creditanstalt entgültig totfusioniert. Gleichzeitig lässt man die gut etablierte BA-Welle fallen, um statt dessen den gehakten Ball der italienischen Mutter UniCredit zu übernehmen.

Das ganze klingt für mich schwer nach Kompromiss. Die UniCredit-Gruppe ist dabei, ihre Töchter umzugestalten. Es ist den Österreichern wohl gelungen, zumindest den Namen «Bank Austria» zu retten, die Welle lag dann wohl nicht mehr drin. Glücklicherweise hatten beide von Haus aus die Farbe Rot. Aktuell wird das ganze erst im März 2008
Anders hat es die Bawag gemacht. Nach dem Skandal, der Beinahe-Pleite und dem Verkauf der Gewerkschaftsbank an einen internationalen Fonds musste ja wohl was passieren. Im September hat die Agentur Dirnberger De Felice den Bawag-Etat gewonnen. Heute abend wurden nun klammheimlich in den meisten Filialen die alten Plakate und Logos abgehängt. Auf der Website der Bawag ist darüber nichts zu finden, auch keine Pressemeldung. Das neue Logo gibt es derzeit noch nicht im Netz. Eine Revolution ist es aber nicht: Man hat mehr oder weniger das alte Icon umgedreht, die Proportionen und die Typo etwas verändert. Aber mehr darüber, wenn das Logo verfügbar ist.
Labels: Corporate Design, Redesign
11.4.07
Redesign tele
Der international tätige Mediendesigner Mario Garcia hat einmal mehr die österreichische Fernsehprogrammbeilage »tele« überarbeitet. Einerseits verwunderlich, weil ich mich an einen sanften Relaunch vor einigen Monaten erinnern kann, andererseits wieder nicht verwunderlich, weil da an den falschen Stellen geschraubt wurde – Stichwort optisch aufmotzen statt wirklich durchputzen.
Mit dem Relaunch wurde auch der Inhalt überholt, es gibt jetzt neu Feature Storys mit Hintergründen zu Höhepunkten des Fernsehprogramms und noch weitere kleine Magazin-Features. Am Logo wurde kaum gearbeitet, nur ein kleiner Schlagschatten schafft etwas mehr Kontrast zum roten Hintergrund, der seinerseits weniger dominant wirkt. Garcia Media hat laut eigenen Aussagen über 40 neue Logo-Entwürfe vorgestellt, am Schluss hat aber der alte Schriftzug gewonnen, weil gut eingeführt und gelernt. Schade eigentlich, für mich hat das Logo schon einen ziemlichen Bart.
Das Herzstück des neuen »tele« ist natürlich das Programm selbst. Ein harter Job für jeden Designer, das Resultat gibt nicht so viel her wie ein Jahresbericht eines klotzigen Konzerns, aber mindestens so anspruchsvoll. Es gilt, täglich Dutzende Sender mit jeweils Dutzenden Programmpunkten auf möglichst wenig Platz möglichst übersichtlich darzustellen.
Garcia Media haben dafür hauptsächlich auf saubere Typo gesetzt. Als Schrift kommt die »Retina« von Tobias Frere-Jones zum Einsatz, die bereits dem Wall Street Journal gute Dienste geleistet hat. Besonders wichtig erscheint mir, dass sich jetzt eine vernünftige Laufweite ausgeht. Die Leserlichkeit hat sich dramatisch erhöht, da jetzt die Buchstaben nicht mehr so zusammenkleben.
Längst fällig war auch eine Harmonisierung der Farbwelt des Magazins. Zuletzt wurde das Fahnenrot des Titels mit hellblauen Kopf- und Seitenzeilen kombiniert. Jetzt sorgen Schwarz, Rot, Gelb und Orange für ein warmes, harmonisches Bild, auch wenn die Logos der Fernsehsender auf schwarzem Hintergrund zum Teil ziemlich wegsacken. Ein gutes Logo sollte das allerdings aushalten. Was predigte ich immer?
Das neue »tele« ist also insgesamt eine erfreuliche Angelegenheit. Ob es zum neuen ORF passt, muss ich noch überprüfen, wenn ich wieder zum Fernsehen komme.
Labels: Editorial Design, Redesign
5.3.07
Farbenforschung
fontblog berichtet gerade über den Namens- und Logowechsel der ehemaligen Norisbank, jetzt Teambank, und zitiert die dazu gehörende Pressemitteilung:
»Die Kreation des Markenschriftzuges TeamBank AG beruht auf einer internationalen Wettbewerbs- und Farbassoziationsanalyse. Zudem nimmt der Schriftzug Markenkernwerte wie Aufstiegshunger, Schrittmacher oder auch Prozessführer auf.«
Ich bin immer etwas gehemmt, wenn es darum geht, über die Arbeit von Kollegen zu schreiben, weil auch hinter dem unscheinbarsten Logo zum Teil hervorragende konzeptuellle Arbeit steckt, die sich erst im späteren Leben der Marke erschließt. Diesem Logo ist allerdings anzusehen, dass es auf Basis einer »internationalen Wettbewerbs- und Farbassoziationsanalyse« entstanden ist.
Marktforschung und vor allem eine klares Bild des Designs der Mitbewerber haben selbstverständlich ihren Platz im Corporate-Design-Prozess. Ich muss wissen, wie Banken heute aussehen, um zu wissen, wie eine neue Bank (oder eine alte Bank im neuen Gewand) in diesem Markt positioniert werden kann. Vorsichtiger wäre ich allerdings, wenn es um Marktforschung beim Publikum geht, insbesondere beim Thema Farben. Farbsymbolik und Farbassoziationen sind ausgesprochen flüchtige und widersprüchliche Angelegenheiten, wie hier schon einmal besprochen. Wandert man ein paar Kilometer gen Osten oder lässt ein paar Jahre verstreichen, verwandeln sich Assoziationen mit Farben gerne in ihr Gegenteil. Schwarz wird Weiß, Rot wird Gelb, zumindest, was die Bedeutung betrifft. Das wird keineswegs dadurch besser, dass man 1.000 Ahnungslose fragt, wie sie dieses oder jenes Blau bewerten würden. Wie stand das mal in Brand Eins? Jene, die nicht wissen, was sie wollen, befragen jene, die nicht wissen, worum es geht.
Kein Wunder, dass auf diesem Weg Farben herausgekommen sind, die jenen der Web-2.0-Fotoseite flickr erschreckend ähnlich sind. Was sollen uns die Farben also wirklich sagen? Die neue Bank ist so schrecklich angesagt und aufgeblasen wie das Thema »Web 2.0«? Oder gibt es da ein »User Generated Konto»? Ich tippe auf ein Redesign in spätestens zwei Jahren.
Bild: Teambank AGLabels: Corporate Design, Kritik, Redesign
